Bundesland: Niederösterreich - Steiermark - Burgenland Meine Gesamtdaten an drei Tagen: 82Km 2.850Hm
Die ALPENONIA ORIGINALROUTE wird für gewöhnlich in einer Woche begangen und umfasst die österreichischen Bundesländer NÖ, Steiermark und Burgenland, sowie das benachbarte Ungarn. Starten kann man entweder in Fischbach oder so wie ich am Semmering. Dieser Startpunkt hat den Vorteil, das er sehr leicht und regelmäßig mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar ist. Die gesamte Strecke erfordert gute Grundkondition, schwierige Passagen oder ausgesetzte Stellen gibt es allerdings nicht. Herrliche Ausblicke und Highlight warten dennoch auf der Strecke. Somit ein idealer Weitwanderweg für Einsteiger und Genußwanderer. Der Hauptweg hat eine Länge von 124 Kilometern und es sind 3.800 Höhenmeter zu bewältigen.
Tag 01. Semmering - Mönichkirchen 32 Km 1.140 Hm
Der Alpenonia Weitwanderweg steht schon lange auf meiner "To - Go Liste". Heute ist es endlich soweit. Ich starte am Bahnhof im wunderschönen Kurort Semmering, vorbei an alten Villen über den Zauberberg Richtung Feistritzsattel. Der Originalstart des Alpenonia liegt übrigens in Fischbach in der Steiermark über das Rosegger Schutzhaus. Wie jedoch bereits im Vorwort angemerkt, ist der Einstieg über die "Zubringerroute" am Semmering allerdings wesentlich leichter erreichbar, mit einer frühen Abfahrt in Wien startet man bereits um halb 7 Uhr am Bahnhof Semmering ohne großen Anreisestress.

Den ersten Anstieg bewältige ich locker in der Kühle des Morgens. Den Sonnwendstein erspare ich mir allerdings, den mit über 30 Kilometern bei hohen Temperaturen wird der Tag heute noch herausfordernd genug. Die Strecke ist wunderschön zu gehen, großteils auf kühlen, schattigen Waldwegen. Außer Grundkondition ist hier kein großartiges Können notwendig, die Wege sind leicht gehbar und technisches Können ist nicht erforderlich. nach etwa drei Stunden geht Zeit habe ich den Feistritzsattel erreicht ich gönne mir eine kurze Jausenpause bevor ich auf breiten Forstwegen Richtung Hochwechsel marschiere. Die Aussicht ist herrlich, das Wetter perfekt. Einmal begegne ich einer Herde Mutterkühen mit noch recht kleinen Kälbern und weiche vorsichtshalber in großem Bogen aus. Auch wenn ich keine Angst habe mit Mutterkühen lege ich mich lieber nicht an. Da ist man "Kuuuhler", wenn man ausweicht.

In der Ferne sehe ich schon die Spitze der Gedenkkirche am Hochwechsel und freue mich auf die nächste Pause. Die Kapelle ist wirklich wunderschön, mit ihren Gemälden im Innenraum der hohen Kuppel die an die blutigen Kämpfe erinnern, die hier an dieser Stelle einst stattgefunden haben. Ein Mahnmal das uns immer daran erinnern soll, wie wertvoll aber zerbrechlich Friede ist. Leider scheinen wir Menschen nicht wirklich viel dazu zu lernen. Die Hütte am Hochwechsel ist leider alles andere als einladend, auch habe ich keine Lust mich eine halbe Stunde in die Warteschlange zu stellen um ein kühles Getränk zu bekommen. Deshalb mache ich nur eine kurze Pause und marschiere dann weiter, Richtung Mönichkirchen.

Das Hochwechselgebiet bietet auch ein ausgezeichnetes Wegenetz für Biker, für die Abfahrt sind eigene Strecken ausgewiesen. Ich wandere über weite, fast steppenähnliche Graslandschaft. Auf meinem Weg treffe ich ab hier niemanden mehr. Über die "steinerne Stiege" einen steilen Abstieg mit Stufen aus Stein gelange ich schließlich zum Hallerhaus. Dort finde ich auch einen netten Platz auf der gemütlichen Sonnenterrasse und gönne mir die erste ausgiebige Pause inklusive Bier und Käsebrot, bevor ich die letzten Kilometer nach Mönichkirchen zurücklege.

Mönichkirchen scheint ein Paradies für Familien mit Kindern zu sein, denn es gibt allerlei Aktivitäten für Groß und Klein. Am Berg Gokarts mit denen man ins Tal düsen kann, zahlreiche Spielplätze und überall tummeln sich junge Familien. Ich lasse diesen wunderschönen Tages auf einer Sonnenbank inmitten einer herrlichen Blumenwiese ausklingen, bevor ich per Autostopp zu meiner Unterkunft nach Aspang Markt fahre. Der Vollständigkeit halber hier noch die Tourdaten zu meinem Spaziergang in Aspang Markt und Aspang St. Peter, eine der letzten Gemeinden mit dem Anfangsbuchstaben A. ;)

Tag 02. Zöbern - Bernstein 26
Km 730 Hm
Für den heutigen Tag ist schon ab dem frühen Vormittag Starkregen prognostiziert. Wenn man draußen unterwegs ist, muss man mit solchen "Problemen" rechnen. Für mich heißt das: Planänderung so gut als möglich. Also nehme ich den Bus von Aspang bis Zöbern und spare so ca. 8 Kilometer und eine Gehzeit von etwa 2 Stunden. Mehr kann ich nicht "schummeln", allerdings schaffe ich es noch etwa eine Stunde trocken zu bleiben, bis mich der Regen schließlich einholt. Aber ich bin darauf mental vorbereitet und nehme es entspannt.

Im Gegenteil. Ich finde es herrlich, wieder mal im Regen zu gehen und zu laufen. Im Wald riecht es wunderbar nach feuchter Erde und Tannennadeln und ich bin völlig alleine unterwegs. Kurz vor Hochneukirchen, passiere ich eine Stelle wo es kürzlich einen Waldbrand gegeben haben muss. Erinnerung an meinen 17. Tag am Alpe Adria Trail kommen hoch. Durch die brütende Hitze und die Trockenheit ist damals in der Nähe von Monfalcone ein Brand ausgebrochen. Ich musste das Gebiet einen Tag nach "Brand aus" durchqueren.

Ein besonderes Highlight auf diesem Streckenabschnitt des Alpenonia ist der Aussichtsturm am Hutwisch. Von hier aus muss der Ausblick bei Schönwetter wirklich grandios sein. Heute allerdings leider bleibt mir dieser Wert Ausblick verwehrt. Kurz überlege ich ob ich nach Hochneukirchen abbiegen soll um im Gasthaus Hutwisch eine Pause einzulegen, allerdings soll das Wetter im Tagesverlauf nicht besser werden und so beschließe ich weiterzugehen und die Tour zu einem baldigen Ende zu bringen. Irgendwann hört der Regen dann auch auf, allerdings sind die Wiesen völlig durchnässt und aus meinen Schuhen läuft bei jedem Schritt das Wasser in winzigen Bächen.


Kurz vor Bernstein übersehe ich nahe des Steinbruchs eine Abzweigung, lande im Gemüse und kämpfe mich durch Brombeerstauden wieder auf dem Weg. Schließlich erreiche ich erschöpft, zerkratzt, durchnässt aber glücklich den kleinen Ort Bernstein wo ich im Mineralienmuseum noch eine kurze Pause einlege. Natürlich kann ich nicht wiederstehen und kaufe mir wieder mal ein neues Armband. Kleine Schmucksteine aus braunem Landschaftsjaspis. Beim Autostop habe ich Glück, eine nette Bernsteinerin nimmt mich bis zu meiner Unterkunft nach Bad Tatzmannsdorf mit. Dort lasse ich den Tag mit einem Besuch in Therme seeeehr entspannt ausklingen.


Tag 03. Bad Tatzmannsdorf - Geschriebenstein
Pass 23 Km 950 Hm
Am dritten und letzten Tag meiner kurzen Weitwanderung strahlt die Sonne wieder vom Himmel. Nach einem feinen Frühstück mache ich mich entspannt auf den Weg. Die Gegend hat keine großen Highlights zu bieten, ich genieße den Tag dennoch, denn mir reicht schöne Landschaft, feines Wetter und ein Tag, der nur mir gehört.

Da die Originalroute ja ab Bernstein weiterverläuft, ich aber in Bad Tatzmannsdorf genächtigt habe, dauert es wieder einige Zeit, bis ich die Alpenonia Route wieder erreicht habe. Die heutige Strecke ist geprägt von Pfaden über weichen Waldboden und durch idyllische Hohlwege. Pause wage ich mich keine zu machen denn ich muss den Bus in Lockenhaus erreichen, da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht wirklich dicht gesehen sind hier in dieser Gegend. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahne, die Heimfahrt wird noch eine Challange.

Zwischendurch muss ich beide Beine von einer Unzahl an Zecken befreien, die sich zum Glück noch nicht festgesaugt haben, ansonsten verläuft der Tag eigentlich ohne Vorkommnisse. Kurz vor 13 Uhr komme ich am Geschriebenstein Pass an, somit sollte also noch genug Zeit sein um per Autostop nach Lockenhaus zu fahren und von dort mit dem Bus die Heimreise anzutreten - denke ich zumindest. Aber wie so oft im Leben kommt es anders als geplant. Nur wenige Autofahrer überqueren den Pass von ihnen ist leider niemand so freundlich mich mitzunehmen. Aber es gibt eine Haltestelle und laut Fahrplan kommt der Bus den ich ohnehin nehmen möchte hier vorbei. Leider warte ich vergeblich, kein Bus erscheint, wie ich später erfahre, wurde die Haltestelle schon vor 3 Jahren stillgelegt. Als mich endlich zwei junge Burschen mit dem Auto mitnehmen ist es schon so spät, das ich die Abfahrt in Lockenhaus verpasse. Weiter zur nächsten Bushaltestelle (44 Minuten zu Fuß) auch auf dem Weg dorthin stelle ich fest: Burgenländer scheinen wohl sehr misstrauisch zu sein denn auch hier bleibt niemand stehen, um mich ein Stück mitzunehmen. Schließlich erreiche ich doch noch den nächsten Bus und kann endlich die Heimreise antreten.

Die Originalstrecke endet in der hübschen Stadt Kőszeg in Ungarn. Da ich jedoch bereits im letzten Jahr auf meiner Burgenland Tour dort übernachtet habe, beende ich meine Wanderung am Geschriebenstein.
FAZIT: Ein sehr schöner Weitwanderweg, der besonders für Einsteiger und gemütliche Wanderer ideal erscheint. Keine technischen Herausforderungen, sanfte Anstiege, kühle Wälder, hübsche Ortschaften und abwechslungsreiche Landschaft.

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